Allgemeine Informationen

Hindernisse sportlich überwinden. So könnte man die Trendsportart Parkour wohl am ehesten beschreiben. Ziel ist es, nicht nur von einem Ort zum nächsten zu gelangen, sondern viel mehr, alle möglichen Hürden kunstvoll und vor allem effizient zu überwinden. Die natürliche oder auch urbane Umgebung, egal ob in Form von Bänken, Mauern, Geländern oder gar ganzen Häuserschluchten, wird dabei in allen erdenklichen Bewegungsformen bezwungen. Den Möglichkeiten sind wiederum kaum Grenzen gesetzt, sondern orientieren sich grundsätzlich an den Fähig- bzw. Fertigkeiten des Parkourläufers, der auch Traceur genannt wird.

Beim Parkour steht somit vordergründig das Ausnutzen aller örtlichen Gegebenheiten unter effizientestem Einsatz von wirksamen Bewegungen und damit verbundener Kontrolle und Koordination im Mittelpunkt. Nicht umsonst wird Parkour daher auch als „Die Kunst der effizienten Fortbewegung“ bezeichnet.

Ursprung und Entwicklung

Die Bewegungsform Parkour geht zurück auf die sogenannte „Methode naturelle“. Diese Trainingsmethode, die Anfang des 20. Jahrhunderts vom Franzosen Georges Hébert entwickelt wurde, sollte den Menschen körperlich, geistig und moralisch befähigen, auch in unwegsamen Terrain sicher und vor allem zügig voran zu kommen. Nicht zuletzt wollte Hérbert auch einen deutlichen Nutzen für die Allgemeinheit erzielen. So war er als Verfechter und Anhänger des Konzeptes eines dauerhaften körperlichen Trainings der Auffassung, dass körperliche Stärke und Beweglichkeit zwangsläufig zu einer Erhöhung von Tapferkeit, Selbstlosigkeit und Disziplin einhergehen müssen.

In seinem Trainingskonzept war eine Kombination aus einem intensiven Training in naturbelassenem Terrain und ausdauerndem Laufen vorgesehen. Damit sich seine Schützlinge dabei voll und ganz auf das Training konzentrieren konnten, verzichtete er auf einen gegenseitigen Wettbewerb bzw. Konkurrenzkampf.

David Belle als Wegbereiter

Es war David Belle, der die „Methode naturelle“ Ende der achtziger Jahre in den Pariser Vorort Lisses übertrug. Belle, der schon als kleiner Junge von seinem Vater in dieser besonderen Form der körperlichen Ertüchtigung unterrichtet wurde, veränderte dabei mit zunehmendem Alter einfach die Umgebung und den Grad der Schwierigkeit. Aus den spielerischen Verfolgungen im Kindesalter über beispielsweise Gräben, kleine Bäche oder Treppen wurden zunehmend kompliziertere Abläufe. Im Laufe der Jahre bezwangen die Jugendlichen dann auch Geländer, Mauern oder Zäune. Sogar Fassaden oder Hochhäuser wurden in die Bewegungen integriert.

Mit der von David Belle gegründeten Gruppe Yamakasi gelang der Sport zu weltweiter Bekanntheit. Die unzähligen Auftritte von Mitgliedern der Gruppe bei Shows oder im TV, wie etwa im Bond Film Casino Royal, sorgten so für eine rasend schnelle Verbreitung bis weit über die Grenzen von Frankreich hinaus.

Turnen in seinen Ursprüngen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Spiel- und Sportbewegung zunehmend weg von den streng geregelten bzw. methodischen Turnübungen. Natürliche Bewegungen, ausgerichtet an den jeweiligen Fähigkeiten der Kinder, sollten der individuellen Entwicklung Rechnung tragen. Österreichische Schulreformer, wie Karl Gaulhofer oder Margarete Streicher, riefen ein neuartiges reformpädagogisches Konzept mit dem Namen „natürliches Turnen“ ins Leben, welches sich auch sehr schnell in Deutschland etablieren konnte.

Von nun an standen nicht mehr stilgetreue und elitär wirkende Übungen, sondern vielmehr die sportliche Ausführung, die sich insbesondere an der jeweiligen Entwicklung des Einzelnen orientieren sollte, im Vordergrund.

Parkourtraining

Zunächst setzt sich das Parkourtraining, wie jede andere Sportart auch, aus drei Phasen zusammen: Aufwärmphase, Hauptteil und Abwärmphase. Das eigentliche Üben erfolgt dabei im Hauptteil und besteht meist aus Technik-, Ausdauer- oder Krafttraining. Die Art und Weise der Durchführung kann sich von Traceur zu Traceur durchaus unterscheiden, gewisse Varianten sind jedoch besonders häufig. Der sogenannte Run ist dabei besonders weit verbreitet.

Beim Run (Lauf) muss der Traceur eine vorgegebene Strecke voller Hindernisse, gemäß der Definition dieser Trendsportart, so schnell und effizient wie möglich überwinden.

Leitsatz des Parkours

Belle hat Parkour nicht lediglich als Sport, sondern vorrangig als kreative Kunst betrachtet. Erkennen und Überwinden der eigenen Grenzen als Leitbild. Überheblichkeit, Prahlerei oder Übertreibung sind ihm dabei ebenso unverständlich wie auch der Drang nach gefährlichen oder selbstüberschätzenden Situationen.

Betrachtet man bestimmte Aussagen von ihm, kann man sogar von poetischen Ansätzen sprechen. Sein wohl bekanntestes Zitat lässt dabei den für ihn wohl wichtigsten Grundsatz deutlich erkennen: „Bei einer unliebsamen Begegnung hat man im Grunde drei Möglichkeiten: Reden, kämpfen oder flüchten. Fast alle Kampfkünste und Selbstverteidigungssysteme beschäftigen sich mit der Flucht überhaupt nicht. Meine Hoffnung ist es, dass Parkour diese Lücke schließen kann.“

Kein Wettstreit oder Buhlen um Anerkennung, viel mehr Erkennen, Ausloten und Erweitern der eigenen Möglichkeiten. Darauf kommt es an.

Namensgebung der Techniken

Zunächst gibt es auch beim Parkour diverse Grundtechniken, die sich der Traceur aneignen muss. Dabei erhält aber nicht jede Übung eine eigene Bezeichnung. Vielmehr sollen die französischen Begriffe lediglich an die Art und Weise erinnern, die zur Bewältigung des entsprechenden Hindernisses angewandt wird. Diese Grundtechniken werden abgewandelt und stehen letztendlich mit eben diesen Hindernissen selbst in Zusammenhang.

Körperliches Wohlbefinden im Mittelpunkt

Wie bereits erwähnt soll beim Parkour das körperliche Wohlbefinden eine zentrale Rolle spielen. Um das Risiko von Verletzungen oder sonstigen Beeinträchtigungen bei diesem intensiven Training möglichst gering zu halten, wird natürlich auch dem Aufwärmen sowie Dehnen im Vorfeld eine entsprechend hohe Priorität eingeräumt.

Bestandteil auch im Sportunterricht

Natürlich ist es auch möglich, den Trendsport in leicht abgeänderter Form in den Sportunterricht zu integrieren. Vorrangig geht es dabei um das läuferische Bezwingen von Hindernissen. Als Benotungskriterien sollten hierbei nicht das Tempo, sondern an den individuellen Fähigkeiten der Schüler ausgerichtete Kriterien wie Kreativität, Effizienz und zusätzlich ein flüssiger Ablauf der Bewegungen entscheidend sein.

Artverwandte Bewegungen

Freerunning

Freerunning stellt nicht, wie oft angenommen, eine Ersatzbezeichnung für Parkour dar, sondern bezeichnet eine gesonderte Disziplin. In Training und Art der Durchführung gibt es jedoch einige Überschneidungen.

Yamakasi – l’art du déplacement

Als eine Art Überbegriff stellt sich die sogenannte „Kunst der Fortbewegung“ dar. Sie versucht dabei, alle Stilarten, die ihren Ursprung im Parkour nach David Belle haben, zusammenzufassen und die teils zerstrittenen Strömungen so in gewisser Form wieder zu versöhnen.

Videos zu Parkour

Beiträge zu Parkour

Parkour – die eigene Stadt aus anderen Perspektiven

Sicher und effektiv ein Hindernis überwinden – das können Mauern, Bänke, Tische, Geländer, Wände oder auch Absperrungen oder auch Stiegenaufgänge in Hochhäusern sein. Auch in ländlichen Regionen gibt es Parkours – so etwa Felsen, Bäume, Äste oder auch Gräben. Parkours können also nicht nur in urbanen Gebieten überwunden werden.

Parkour Kurse

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